Dienstag, 13. Mai 2008

Solnedgång i Stockholm

Nach Sandön und einer anstrengenden Rückfahrt, erst mit der Fähre dann mit dem Bus kamen wir in Slussen an und fuhren noch schnell mit dem Katarinalift hinauf, um den Sonnenuntergang um 21:15 noch sehen zu können. Die Busfahrt war ein Wahnsinn, weil der Bus komplett voll war, ich eine Stunde lang auf dem Schoße vom Tom sitzen musste, weil ich meinen Platz einer Frau mit Kind gegeben hatte und etliche Kleinkinder drinnen waren, eins davon wurde sogar neben uns gestillt, weil er nicht aufgehört hatte zu brüllen. Daneben stand eine junge Frau mit einer Katze in einem speziellen Rucksack drinnen, die aber unaufhörlich miaute. Tom und ich beobachteten das Geschehen und waren froh als wir endlich aussteigen konnten. Dann wurden wir mit einem schönen Sonnenuntergang belohnt.

Sandön

Sandön - Sandinsel.
Das ist eine der kleineren tausenden Stockholmer Schäreninseln, die im Meer vor Stockholm liegen. Sandön soll die idyllischste und typischste Schäreninsel sein. Mit ihren Kiefernwäldern, mit Blaubeer- und Preiselbeersträuchern bedeckten Waldböden, Fels- und vorallem Sandstränden. Sie sind Naturparadiese, Urlaubsdomizile und einige davon sind auch bewohnt. Es gibt keine Autos auf den Inseln, sondern Mopeds mit Ladefläche - auf der nicht nur Waren, sondern auch mitunter Hunde mitfahren dürfen, und Fahrräder sind die wichtigsten Fortbewegungs- und Transportmittel. Neben dem Boot natürlich. Sogar die Kinder fahren mit dem Boot zur Schule, wenn sie nicht gerade auf der Insel wohnen, auf der die Schule ist. Der Hafen - Sandhamn - ist der wichtigste Teil der Insel, dort gibt es Läden, Wirtshäuser, Bäckerei und dort kommen die öffentlichen Verkehrsmittel zu Wasser an, und fahren wieder ab um die Stockholmer Kurzurlaubs-Bedürftigen hin und herzubringen.


Nach einem Tag bei herrlichstem Wetter in Badebekleidung am Strand und einem erholsamen Schlaf, denn ins Wasser haben wir uns nicht getraut - brrr - kommen am Nachmittag der Wind und der Hunger. Wir entschlossen uns einen guten Platz zu suchen mit Feuerstelle um unsere Bratwürstel zu grillen. Zuerst Holz sammeln, dann Scheiterhaufen errichten und los gehts! Es gibt einfach nichts schöneres wie Feuer im Freien zu machen und das Essen selbst zu grillen. Unabhängig zu sein von jedweder Zivilisation. Und bald war das Feuer im Gang, Würstel aufgespießt aufs Steckerl, sogar Zwiebel haben wir gegrillt und gemeinsam mit Brot und Senf gegessen. Mmmhhh!
Als Nachspeise gab es in-der-Schale-gegrillte Bananen. Man kann auch in die Schale Schokoladenstückchen hineinstecken und das Ganze mit Alufolie umwickeln und so in die Glut legen. Das ergibt eine noch bessere Nachspeise, aber Schoko und Folie hatten wir diese mal nicht dabei. Mittlerweile bin ich lieber in der Natur als in der Stadt. Die Ruhe, die Freiheit irgendwo draußen auf einer Insel zu sein, oder wandern zu gehen, an einem See zu sein - das ist einfach sooo schön! Alle Museen der Welt können mir dafür (fast) gestohlen bleiben. Das genießen in der Einsamkeit ist für mich nicht mehr wegzudenken. Wir wären auch gerne auf der Insel geblieben mit unserem Zelt, aber leider "Eldning och tältning förbjudet" - was soviel heißt wie Feuermachen und Zelten verboten. So viel zur Freiheit in der Natur, aber Zelten soll man wohl nicht, damit der Lebensraum der Tiere nicht gestört wird und Feuermachen ist wegen Brandgefahr verboten. Aber wir waren vorsichtig!

Sonntag, 11. Mai 2008

Buntes Stockholm

Kaum scheint die Sonne und ist es endlich warm, füllt sich der Außenraum und überall sitzen Menschen und genießen den Tag. Manchmal kann man dabei auch die eine oder andere Parade mitverfolgen. Wir erlebten einen Umzug für Ärzte ohne Grenzen, neben Samba-Tänzerinnen und Trommlern!

Achja, Reni ist wieder in Stockholm und das Wetter ist senationell. Gestern waren wir sogar auf einer der 1000en Stockholmer Schäreninseln: Sandön, aber dazu später mehr. [Reni]

Donnerstag, 1. Mai 2008

Amstetten

Prinzipiell ist es ja ganz schön, wenn sich Menschen auf der ganzen Welt wieder einmal bewusst werden, dass es ein Land namens Österreich gibt. Aber auf diese Weise... naja.

Schon seit einigen Tagen ist der skräckens källare - der "Keller des Schreckens" das beherrschende Thema auf den Titelseiten der meisten schwedischen Zeitungen. Und zwar nicht nur in den berüchtigten Revolverblättern Expressen und Aftonbladet, sondern auch in seriösen Zeitungen wie dem Svenska Dagbladet und den Dagens Nyheter. Besonders die beiden letztgenannten bemühen sich jedoch, ein objektives Bild von Österreich zu zeichnen. So fand sich im Svenska Dagbladet ein Leitartikel unter dem Titel "Platziert Österreich nicht im Keller!"


Diese Geschichte ist so unendlich traurig und so absolut entsetzlich, dass ich mich dem Thema nur über Sarkasmus nähern kann.
Die Schweden diskutieren untereinander ausführlich über diese Vorfälle, doch die meisten sind viel zu taktvoll, um mich direkt darauf anzusprechen. Daher nehme ich ihnen die Arbeit ab. Wenn mich beispielsweise jemand fragt, ob ich Geschwister habe, antworte ich, dass ich nur von einem Bruder weiß, aber andererseits unser Keller ziemlich groß ist.

Es ist schon lange her, dass ich einmal auf Österreich, auf meine Landsleute, richtig stolz sein konnte - und damit meine ich keine absolut belanglosen Siege beim Schifahren, sondern einfach gute Ideen, oder gute Musik - so wie die meisten Schweden (aber bei Gott nicht alle!) auf ihre stille Art darauf stolz sind, Schweden zu sein. Wenn man etwas hört aus meinem Land, dann sind es Kellergeschichten von Straßhof bis Amstetten, oder die kranken Auswürfe einer FPÖ-Gemeinderättin, ah Gemeinderätin. Und die nahende Fußball-EM nährt Befürchtungen, dass ich mich bald wieder für Österreich schämen muss.

Doch wenn man einmal mit dem Schämen anfängt, kommt man nicht mehr heraus. Also möchte ich mit einem abgewandelten Zitat von Kurt Tucholsky schließen (der es auf seine jüdische Herkunft bezogen hatte): "Ich bin stolz darauf, Österreicher zu sein. Wenn ich nicht stolz wäre, wäre ich trotzdem Österreicher. Also bin ich lieber stolz."

Donnerstag, 24. April 2008

Gedanken: zur Demaskierung einer Kultur

Graz, Hauptplatz. Mit Uhrturm und Erzherzog Johann Brunnen.Es ist gut, dass Tom nun die Erfahrung der kulturellen Desillusionierung in Schweden macht und einige oberflächlich entstandene, oder durch andere Umstände gebildete Illusionen hinterfragt. Die Masken der schwedischen Kultur fallen immer schneller vor Toms Blick ab. Jeder besitzt seine/ihre eigene kulturelle Brille - in unserem Fall sind wir stark durch unser aufwachsen in Österreich geprägt - mit all unseren gewohnten Normen und Werten. Auch Tom schaute bis jetzt durch seine eigene, gefärbte kulturelle Brille auf die schwedische Kultur. Aber langsam beginnt die Demaskierung, je tiefer er in die schwedischen Welten eintaucht.

Aus seiner jetzigen Position heraus - der normalen Arbeitsbiene in einem funktionierenden Gesellschaftssystem, welche die Erfahrungen seines Studenten-Daseins erweitert - bekommt er ganz eigene Einblicke. Das Land lernt er nicht von außen, sondern von innen kennen. In einem "fremden" Land leben ist gut und schön, aber es kommt immer darauf an von welcher Position aus man es entdeckt. Das ist eine spannende Sache sich darüber Gedanken zu machen mit welchen Voraussetzungen und aus welchem Blickwinkel wir unseren Blick auf ein Land richten. Wie kann man als "Fremder" obwohl wir ja doch nicht so fremd sind, weil europäisch, andere Kulturen im allgemeinen kennen lernen? Ist es möglich als Outsider eine Insider Perspektive zu bekommen? Fehlen denn nicht immer einige Puzzle-Teile zum Gesamtbild?


Ich glaube, ein Land kann man nur über Kontakt und Auseinandersetzung mit seinen Menschen kennen lernen. Denn die machen erst eine Kultur, ein Land aus und dadurch wird es erst zu dem was es ist. Aber die Menschen selbst sind so vielfältig wie die Landschaft eines Landes. Was ein Land angeblich ist und ausmacht, ist genauso wiederum eine Konstruktion in den Köpfen vieler. Und das, was dann rauskommt von den Insidern, wenn sie mit Outsidern sprechen ist auch nur eine Reduktion von komplexen Abläufen, Erfahrungen, Systemen und Geschichten.

Tom steht nun wohl direkt mit Schweden in Verbindung. Als Arbeitsbiene leistet er etwas, zahlt Steuern und erlebt das normalste des normalen überall, aber in einem fremden Land: das Arbeiten. Da eröffnen sich neue Welten und Weiten. Die Dimensionen des ordinären schwedischen Arbeitslebens und das Leben einer gemeinen schwedischen Arbeitsbiene geben den Blick frei auf weitere Details und Unterwelten, die man als Tourist oder Student nie in einem neuen Land erfahren kann. [Reni]

Mittwoch, 23. April 2008

Zurück aus dem Nichts






Wenn Katzen schwarz werden vor lauter warten, überreife Cherrytomaten abfallen und der Blog von Leuten gekapert wird, die einen auffordern, endlich einmal wieder etwas schreiben, dann ist es höchste Zeit, sich wieder einmal für kurze Zeit vor den Computer zu setzen und eine Geschichte zu erzählen.

Es wäre ja nicht so, dass in den letzten drei Wochen meiner bloggischen Abwesenheit nichts passiert wäre. Neuer Job, neue Wohnung, neues Ziel auf der Uni. Irgendwie fast schon zuviel für drei Wochen.

Womit kann ich beginnen? Gut, nehmen wir meine neue Arbeit.

Schon beim zweiten Anlauf war meine Jobsuche erfolgreich. Und es gab sogar etliche andere Bewerber außer mir, was komisch anmutet, denn wer arbeitet schon freiwillig nachts, auch an Wochenenden, und das bei ziemlich schlechter Bezahlung? Nur Leute, die kein Privatleben haben und brauchen, so wie ich.

Also bin ich meinem Berufsbild treu geblieben und arbeite ich als Nachtrezeptionist in einem wirklich guten, zentral gelegenen 4-Sterne-Hotel am Stureplan, einem erstrangigen Fortgehviertel in Stockholm. Nachtrezeptionist sollte nicht verwechselt werden mit Nachtportier, der sich hinlegen kann, und dann und wann die Türe öffnet. Nachtrezeptionisten, auch liebevoll-zärtlich Nighties oder schwedisch nattisar genannt, müssen wirklich arbeiten in der Nacht.

Meine Kollegen sind wirklich sehr nett, das Hotel ist schön, die Arbeit nicht überwältigend anstrengend. Dreier Illusionen wurde ich trotzdem beraubt: derer, dass es irgendwo auf der Welt ein Hotel ohne Intrigen gibt, dass die Schweden andere Menschen seien, und der Illusion, dass ich schon recht gut Schwedisch sprechen würde.


Das Hotel... ich weiß - außen pfui, aber innen hui!


Mein Arbeitsplatz... die tollen Artischockenlampen sind NICHT vom IKEA!


Mein ganz persönlicher Star - unser Drahtelch!


Wie weit muss man in einem Land "gehen" um es ganz kennenzulernen? [Reni]